
Aus den Schongauer Nachrichten vom 12.11.2005:
Mona findet sich nach
Hurrikan im Elend wieder
Hilfsprojekt in Guatemala läuft
von Barbara Schlotterer
Peiting - Ganze Häuser schwimmen in Sturzbächen
davon, es gibt nur noch dreckiges Wasser, 650 Menschenleben sind ausgelöscht:
Mitten im Chaos hat sich die Peitingerin Monika Reichelmeier nach dem
Wirbelsturm "Stan" wiedergefunden, der auch in Guatemala viel
Elend hinterlassen hat. Es sollte für die 23-Jährige die zweite
Hälfte eines Praktikumsjahres werden, das sie im Laufe des Sozialarbeit-Studiums
zu absolvieren hat. Echte Arbeit am Nächsten leistet Mona jetzt in
einem fremden Land, wo den Armen selbst das Letzte entrissen wurde - sie
verteilt Hilfsgüter und ist für diejenigen da, denen nach der
Naturkatastrophe nichts mehr geblieben ist.
"Den Tag X gab es hier nicht, es war einfach so, dass es tagelang
ohne Pause geregnet hat", erinnert sich Mona daran, wie schleichend
die Katastrophe auch über die Stadt Xela hereingebrochen ist, wo
Mona in einem Kinderhort und in einem Frauenhaus mit anpackte. Binnen
weniger Stunden war alles überflutet. Zwei Tage lang hat die Peitinger
Studentin das Haus nicht mehr verlassen - die befestigten Wege und Straßen
hatten sich binnen kürzester Zeit in Sturzbäche verwandelt,
der starke Sturm hatte Bäume entwurzelt, Strom und Telefonleitungen
waren zerstört.
Mangelware Wasser
Schnell wurde Lebensnotwendiges zur Mangelware. "Wir hatten
nur noch dreckiges Wasser", erinnert sich Mona an Stunden, in denen
keiner wusste, was noch alles passieren würde.
Wie schlimm es die Region eigentlich erwischt hat, wurde erst wenige Tage
nach dem Hurrikan deutlich: "Wir haben erst nach und nach erfahren,
wie schlimm es überall steht", berichtet Mona. "In einigen
Gemeinden stehen die Häuser bis unters Dach voll Schlamm oder wurden
völlig zerstört."
"25 Familien sind obdachlos geworden, wir konnten sie in Notunterkünften
unterbringen", schildert die Peitingerin, was jetzt vor Ort zu leisten
ist. "Es gibt kein Wasser, keine Nahrungsmittel und keine Medikamente,
in die abgelegenen Orte kommt keine Hilfe, wir brauchen Unterstützung",
wendet sich das aktive Mitglied des Peitinger Alpenvereins nach Deutschland
(siehe Infokasten).
Bis die Peitingerin an die Universität Eichstätt zurückkehrt,
pflastern viele Einzelschicksale ihren Weg - im Land der Maya gibt es
nach offiziellen Angaben bereits über 650 Todesopfer. Es ist damit
zu rechnen, dass die Zahlen dort noch weiter steigen, denn unter den abgegangenen
Schlammlawinen im gebirgigen Westen des Landes wurden bis zu zweitausend
Menschen begraben, die derzeit noch als vermisst gelten. Ganze Familien
und sogar zwei ganze Maya-Dörfer wurden ausgelöscht. "Die
beiden Orte sind mittlerweile zu Friedhöfen erklärt worden",
schildert Alexander Fischer von der Organisation "Elote", mit
der Mona Reichelmeier mit einem Soforthilfeprogramm erste Hilfe vor Ort
leistet.
Obwohl die Kinder eines Schulprojekts für Straßenkinder - ein
Partnerprojekt des Vereins "Elote" - weitestgehend mit dem Schrecken
davongekommen sind, stehe das Projekt auf Messers Schneide, so der Direktor
Guadalupe Pos. "Da sich das Vorhaben bisher aus Einnahmen eines gemeinnützigen
Ökotourismusprojekts finanziert hat". Doch Wanderungen durch
das Hochland und der Besuch abgelegener Gemeinden seien auf unabsehbare
Zeit nicht möglich. "Es sei denn, man möchte Friedhofsdörfer
besichtigen." mm

Aus dem Pfaffenhofener Kurier vom 22.10.2005:
Hoffnung für vergessene
Maya-Kinder
Von Florian Festl
Pfaffenhofen/Sünzhausen (PK) In der Wand des Holzhauses
klaffen breite Ritzen, das Klo liegt abseits im Garten, ist aus kaltem
Beton und hat keine Spülung. Zum Duschen und für den Abwasch
gibt es einen Schlauch vor der Hütte. Alex, der kleine Nachbarjunge,
sitzt Stunden lang auf der Fensterbank und redet in Maya-Achi, einem Indio-Dialekt,
mit dem Neuankömmling: Hans Leipold aus Sünzhausen. Dass der
kein Wort der Indio-Sprache versteht, lässt den Bubenvöllig
kalt. So wie es ihm und seinen Freunden immer egal ist, wenn dem Neuen
und seiner Begleiterin etwas nicht passt. Die Kinder der Ureinwohner fassen
alles an, staunen und lassen sich durch nichts abwimmeln.
Angst vor den Maras
Das kann manchmal etwas nerven, doch weit schlimmer ist die Angst vor
den "Maras", brutalen Jugendbanden, die in den Nächten
plündernd durch die Orte ziehen. Vermutlich waren sie es, die vor
kurzem in der Nacht dem Nachbarn eine Kette über den Kopf gezogen
haben. Seit einem halben Jahr versuchen Leipold und seine Freundin, Julia
Frewein, als Entwicklungshelfer die Probleme in den Dörfern Guatemalas
im Umkreis der Stadt Rabinal ein wenig erträglicher zu machen. Vor
einem halben Jahr haben sie die Behaglichkeit des deutschen Uni-Lebens
hinter sich gelassen. Beide studieren "Soziale Arbeit" in Eichstätt
und wollen der Lehre von der "Hilfe zur Selbsthilfe" in dem
Land zwischen Pazifik und Karibik Taten folgen lassen. Für ihr einjähriges
Praktikum haben sich Leipold und Frewein einen sozialen Brennpunkt der
härteren Sorte ausgesucht. Die Mayas in Guatemala lebten Jahrhunderte
lang unter der Knute spanischer Kolonialherren und auch von einheimischen
Feudalfürsten wurde ihnen schwer zugesetzt. Als sich die unterdrückten
Ureinwohner erhoben und den Guerillakampf aufnahmen, kam es zur Eskalation.
Staatliche Militärs und regierungsnahe Bürgerwehren überzogen
das Land mit Tod und Terror. Den Massakern, die vor rund 20 Jahren ihren
Höhepunkt erreichten, fielen auch in der Gegend, in der die beiden
Studenten arbeiten, große Teile der Maya-Bevölkerung zum Opfer.
Es gibt kaum eine Familie, die keine Toten zu beklagen hat.
Mayas trauern anders
Auch um ein wenig das Trauma Guatemalas zu verstehen, fahren
Leipold und seine Freundin zu einer Kapelle im nahen Plan de Sanchez.
Ureinwohner sammeln sich dort zu einer Gedenkfeier für die Toten
eines Massakers. Auf den Tag vor 13 Jahren kam das Militär von zwei
Seiten nach Plan de Sanchez und schnitt so jede Fluchtmöglichkeit
ab. Die Soldaten schossen, vergewaltigten, nahmen sich was sie wollten.
Frauen, Männer, Kinder und Babys wurden in einem Gebäude zusammengetrieben.
Hinterher sprengte eine Bombe das Haus - genau dort, wo jetzt die Kapelle
steht. Einen Steinwurf weiter sind noch die Löcher zu erahnen, in
denen die Toten verscharrt wurden. "Mayazeremonien sind für
einen Ausländer schon befremdlich", sagt Leipold. Trauer bedeutet
dort nicht gesenkte Köpfe und schwarze Mäntel. In der Kapelle
quietschen Geigen durcheinander, eine Trommel schlägt nach einem
ihr eigenen Takt, Flöten pfeifen scheinbar unkoordiniert dazwischen.
Es brennen viele Kerzen, Weihrauch zieht durch die Luft. Die Menschen
stehen oder sitzen, kommen und gehen, unterhalten sich laut. Kinder rennen
immer mal wieder durch die Gegend, schauen neugierig und ziehen wieder
ab. Zwischendurch wird Kaffee verteilt, draußen gibt es Hähnchen-Suppe
mit Tortillas. Die Leute aus dem Dorf lassen in einem Theaterstück
das Massaker noch einmal aufleben. Bei aller Vorliebe für das Spielerische
hat das Erinnern an das Grauen seine Grenzen. "Sie halten ihre Zeremonie
jedes Jahr, aber man könnte meinen, dies geschehe nur, um zu zeigen:
Wir haben noch nicht vergessen", so ein Therapeut, der in Plan de
Sanchez mit den Traumatisierten arbeitet. Niemals falle auch nur der Name
eines Verstorbenen, niemals werde über die Ereignisse gesprochen.
"Sie erinnern sich, ohne sich zu erinnern."
Nur zaghaft beginnt die Aufarbeitung der Greueltaten in Guatemalas jüngster
Geschichte. "Erstmals entschuldigte sich jetzt der oberste Regierungsbeamte
des Staates bei den Überlebenden von Plan de Sanchez für die
Massaker", sagt Leipold. Das sei ein Durchbruch. Bislang habe die
Regierung so getan, als habe es die blutigen Überfälle auf die
Mayas nie gegeben. Und auch für die Kinder, deren Familien niedergemetzelt
wurden, gibt es wieder Hoffnung. Über Jahre waren ihre einzige Zuflucht
die Jugendbanden der größeren Städte. In den "Maras"
erwartet die Kinder immerhin eine feste Aufgabe und Anerkennung, aber
auch ein – meist kurzes – Leben im Strudel von Raub, Drogen
und Prostitution.
Schule statt Bande
"Fundación Nueva Esperanza", zu deutsch "Stiftung
Neue Hoffnung", heißt die Einrichtung bei Rabinal, für
die Leipold und Frewein arbeiten. Das wichtigste dort ist eine Schule
für die Maya-Kinder aus den ländlichen Gebieten. Alex und die
anderen lernen hier vieles über die Kultur der Ureinwohner, aber
auch spanisch und dass es noch etwas anderes gibt als den brutalen Überlebenskampf
auf der Straße. Schule statt Bande, lautet das Gebot. Leipold und
Frewein packen überall an, wo jemand gebraucht wird, und leisten
organisatorische Hilfe bei der Aufbauarbeit. Sie sehen ihre Aufgabe vor
allem darin, die "Fundación" längerfristig unabhängig
von Spendengeldern zu machen. Dafür wollen sie eine Hühnerfarm
aufziehen, die sich später selbst trägt, bis sie schließlich
Gewinn abwirft.Die beiden Studenten stürzen sich in die Arbeit. Sie
büffeln "Maya-Achi", um mit den Ureinwohnern kommunizieren
zu können. Und auch an die Angst vor nächtlichen Überfällen
in ihrer mehr schlecht als recht zu verriegelnden Behausung hätten
sie sich gewöhnt, erzählen sie. "Seit Laptop, Video und
Fotoausrüstung an einem sicheren Ort deponiert sind schlafen wir
ruhiger." Am meisten spornt ihn an, sagt Leipold, "dass die
Schule in der Fundación mittlerweile für viele Maya-Kinder
ein ähnlicher Magnet geworden ist, wie es früher nur die Banden
in den Städten waren". Manchen ist nicht einmal ein täglicher
Schulweg von vier Stunden zu lang. Sie gehen ihn zu Fuß und über
unwegsame Schlammpisten.

Passauer Neue Presse vom 18.10.2005:
Nach "Stan":
Ganze Dörfer sind nun Friedhöfe
Monika Krenner aus Kößlarn unterstützt Hurrikan-Opfer
- Hilfe zur Selbsthilfe in die Wege geleitet - Spendenkonto besteht
Monika Krenner war sehr erleichtert, als sie nach mehreren
Versuchen endlich Kontakt mit dem Direktor der Schule Escuela de la Calle
aufnehmen konnte: "Alle Kinder sind den Umständen entsprechend
wohlauf, dennoch werden wir die Folgen noch ganz massiv zu spüren
bekommen", berichtete Direktor Guadalupe Pos.
Das Schulprojekt für Straßenkinder wird seit geraumer Zeit
von den drei niederbayerischen Hauptschulen Rotthalmünster, Aidenbach
und Bad Griesbach tatkräftig unterstützt.
Die Eichstätterin Mona Reichelmeier macht derzeit ein Praktikum in
einem Kinderhort in Guatemala. Auch sie ist wohlauf, doch viele Familien
der Hortkinder sind von der Katastrophe massiv betroffen: "25 Familien
sind obdachlos geworden. Wir konnten sie in Notunterkünften oder
bei Verwandten unterbringen. Aber es gibt kein Wasser, keine Nahrungsmittel,
keine Medikamente. Es kommt auch keine Hilfe in den abgelegenen Ort. Wir
möchten helfen, brauchen dazu aber eure Unterstützung",
mailte Mona Reichelmeier nach Kößlarn.
Obwohl Hurrikan "Stan" weite Teile Mittelamerikas verwüstete,
wütete er besonders zerstörerisch in Guatemala, dem bevölkerungsreichsten
und zugleich ärmsten Staat der Region. Im Land der Maya gibt es nach
offiziellen Angaben bereits über 650 Todesopfer. Zwei Orte sind mittlerweile
sogar offiziell zu Friedhöfen erklärt worden.
Wieder einmal hat die Katastrophe besonders die Ärmsten getroffen,
die Maya-Indios. Über 200 000 Familien sind obdachlos, dreieinhalb
Millionen Menschen werden in irgendeiner Form die Auswirkungen negativ
zu spüren bekommen. 180 Orte sind von der Außenwelt abgeschnitten,
ein Drittel aller Straßen und viele Brücken zerstört,
große Teile der Ernte vernichtet. Die Situation im Krisengebiet
ist dramatisch: Lebensmittel, Trinkwasser und Medikamente zur Versorgung
der Überlebenden fehlen in den betroffenen Gebieten. Hungersnöte
und Seuchen drohen.
"Nach der ersten Nothilfe, die mittlerweile angelaufen ist, werden
langfristige Wiederaufbau-Maßnahmen benötigt. Vor allem den
Bauern und Fischern als Hauptgeschädigten des Hurrikans muss rasch
wieder dazu verholfen werden, auf eigenen Beinen stehen zu können",
so Monika Krenner. Darüber hinaus müsse in die allgemeine Armutsbekämpfung
investiert werden, damit zum Beispiel die sensiblen Bergregionen geschützt
und wiederaufgeforstet werden können. Monika Krenner begleitete vor
Jahren selbst mehrere Monate in Guatemala ein "Elote"-Schulentwicklungsprojekt.
Der Verein unterstützt ein Soforthilfeprogramm, das von Mona Reichelmeier
zusammen mit der Guatemaltekin Gladis Castillo und der Dorfvorsteherin
von Choquí, Doña Roberta, geplant wurde.
Außerdem will "Elote" die finanzielle Zukunft der Escuela
de la Calle sichern. Das Schulprojekt für Straßenkinder ist
seit Jahren "Elotes" Partnerprojekt in einem verarmten Außenbezirk
von Quetzaltenango. "Obwohl die Kinder und deren Familien weitestgehend
mit dem Schrecken davon gekommen sind, steht das Schulprojekt auf Messers
Schneide", erklärt Direktor Guadalupe Pos, nachdem sich die
Unterstützungsmaßnahmen bisher hauptsächlich aus Einnahmen
eines gemeinnützigen Ökotourismus-Projekts finanziert habe.
Doch Wanderungen durch das Hochland und der Besuch abgelegener Gemeinden
seien auf unabsehbare Zeit ohnehin nicht durchführbar. Es sei denn,
man möchte Friedhofsdörfer besichtigen.
• Spenden für die Hurrikanopfer in Guatemala unter Konto-Nr.
201 540 50 bei der Sparkasse Eichstätt (BLZ 721 513 40). Stichwort
"Hilfe nach Stan". Spendenbescheinigungen werden ausgestellt.

Aus der Landshuter Zeitung vom 15. Oktober 2005, S. 40:
Ganze Dörfer sind
jetzt Friedhöfe
Landshuter Verein Elote sammelt Spenden für Hurrikan-Opfer in
Guatemala
Ein Hurrican hat Ende September in Mittelamerika gewütet.
Der Landshuter Verein Elote engagiert sich in dem von "Stan"
betroffenen Guatemala für verschiedene soziale Projekte. Alexander
Fischer, der Vorsitzende des Vereins, nahm Kontakt mit dem Direktor der
Schule Escuela de la Calle in Guatemala auf: "Alle Kinder sind den
Umständen entsprechend wohl auf, dennoch wird die Schule die Folgen
noch ganz massiv zu spüren bekommen", sagte er.
Der Verein hatte einer deutschen Praktikantin eine Stelle in einem Kinderhort
in Guatemala vermittelt. Viel Geduld war nötig, um Mona Reichelmeier
erreichen zu können. Reichelmeier ist Studentin der Sozialpädagogik
(FH) an der Katholischen Universität Eichstätt und leistet derzeit
ein Praktikum. Sie ist wohl auf, doch viele Familien der Hortkinder sind
von der Katastrophe betroffen: "25 Familien sind obdachlos geworden.
Wir konnten sie in Notunterkünften oder bei Verwandten unterbringen.
Aber es gibt kein Wasser, keine Nahrungsmittel, keine Medikamente. Es
kommt keine Hilfe in den abgelegenen Ort", hatte Reichelmeier dem
Verein Elote berichtet.
Obwohl "Stan" weite Teile Mittelamerikas verwüstete,
wirkte er besonders zerstörerisch in Guatemala, dem bevölkerungsreichsten
und gleichzeitig ärmsten Land der Region. Im Land der Maya gibt es
nach offiziellen Angaben bereits über 650 Todesopfer. Es ist damit
zu rechnen, dass die Zahlen dort noch weiter steigen, denn unter den abgegangenen
Schlammlawinen im gebirgigen Westen des Landes wurden bis zu 2000 Menschen
begraben, die derzeit noch als vermisst gelten. Ganze Familien, und mit
Panabaj und Tzanchaj (Landkreis Santiago Atitlan) wurden sogar zwei ganze
Dörfer in nur wenigen Augenblicken ausgelöscht. Die beiden Orte
sind mittlerweile zu Friedhöfen erklärt worden. Wieder einmal
hat die Katastrophe besonders die Ärmsten getroffen, die Maya-Indios.
Über 200 000 Familien sind laut Elote obdachlos,
3,5 Millionen Menschen werden in irgendeiner Form die Auswirkungen zu
spüren bekommen. 180 Orte seien von der Außenwelt abgeschnitten,
ein Drittel aller Straßen und viele Brücken zerstört,
große Teile der Ernte vernichtet. Die Situation im Krisengebiet
sei dramatisch: Lebensmittel, Trinkwasser und Medikamente zur Versorgung
der Überlebenden fehlten in den betroffenen Gebieten. Hungersnöte
und Seuchen drohen.
"Nach der ersten Nothilfe, die mittlerweile angelaufen
ist, werden langfristige Wiederaufbaumaßnahmen benötigt. Vor
allem den Hauptgeschädigten des Hurrikans, Bauern und Fischern, muss
wieder dazu verholfen werden, auf eigenen Beinen stehen zu können",
sagte Alexander Fischer. Darüber hinaus müsse in die allgemeine
Armutsbekämpfung investiert werden, damit die sensiblen Bergregionen
geschützt und wiederaufgeforstet werden könnten. Die Armut zwinge
die Bauern dazu, die Hänge zu roden, um sie mit den Grundnahrungsmitteln
Mais und schwarzen Bohnen für den Eigenbedarf zu bebauen.
"Die ganz große Katastrophenhilfe können
wir von Elote nicht leisten, dazu fehlen uns die Mittel", sagte er.
Dennoch könne der Verein durch seine gute Ortskenntnis und mit der
Unterstützung der Partner vor Ort den betroffenen Menschen Hilfe
zukommen lassen, denen sonst keiner helfen würde. Beispielsweise
unterstützt der Verein eigenen Angaben zufolge ein Soforthilfeprogramm,
das von Mona Reichelmeier zusammen mit der Guatemaltekin Gladis Castillo
und der Dorfvorsteherin von Choqui, Dona Roberta, geplant wurde. Es soll
die betroffenen Familien durch die erste schwierige Zeit bringen.
Außerdem will Elote die finanzielle Zukunft der
Escuela de la Calle sichern. Das Schulprojekt für Straßenkinder
ist seit Jahren Elotes Partnerprojekt in einem verarmten Außenbezirk
von Quetzaltenango. "Obwohl die Kinder und deren Familien weitestgehend
mit dem Schrecken davon gekommen sind, steht das Schulprojekt auf Messers
Schneide", sagte der Direktor Guadalupe Pos, "da sich das Projekt
bisher hauptsächlich aus Einnahmen eines gemeinnützigen Ökotourismusprojekts
finanziert hat." Doch Wanderungen durch das Hochland und der Besuch
abgelegener Gemeinden seien auf unabsehbare Zeit nicht durchführbar.
Es sei denn, man möchte Friedhofsdörfer besichtigen.
Spenden für die Hurrican-Opfer in Guatemala gehen
an das Konto 201 540 50, BLZ: 721 513 40, Sparkasse Eichstätt, Stichwort
"Hilfe nach Stan". Informationen gibt es im Internet unter www.elote.de,
unter Telefon 276 8080 oder per Email an mail@elote.de
Passauer Neue Presse vom 19.03.2005:
Tecu Osorio schenkt Mayas
"neue Hoffnung"
Überlebender des Massakers in Rio Negro in Guatemala schildert
Hauptschülern seinen Kampf für Frieden
Vier Geschwister und drei Cousins vor seinen Augen brutal
ermordet, schon vorher die Eltern und andere Familienmitglieder verloren,
wurde Jesús Tecú als Elfjähriger von den ruchlosen
Tätern verschleppt, denen er zwei Jahre lang Sklavendienste leisten
musste: Im März jährte sich das Massaker in Rio Negro zum 23.
Mal. 77 Frauen und 107 Kinder wurden an jenem Tag von regierungstreuen
Paramilitärs umgebracht, womit der bereits 36 Jahre währende
Konflikt seinen grausamen Höhepunkt erreichte.
Rio Negro wurde besonders hart von dieser Gewalt getroffen: Nach dem Prinzip
der "verbrannten Erde" fielen für ein Staudammprojekt,
das hohen Grundstücksbedarf erforderte, mehr als die Hälfte
aller 800 Einwohner Gewalt zum Opfer - nach Auffassung der UN das schlimmste
aller Verbrechen: Völkermord gegen die Maya-Achi.
Heute ist Jesús Tecú Osorio 33 Jahre alt und kämpft
seit langem für die Aufarbeitung des Schreckens sowie um die juristische
Verfolgung der Kriegsverbrecher. Für seinen mutigen Einsatz wurde
der Zeitzeuge mit dem "Internationalen Reebok Menschenrechtspreis"
(Dotierung 25 000 Dollar) ausgezeichnet - gleichzeitig das Startkapital
für Osorios "Fundacion Nueva Esperanza" (Stiftung "Neue
Hoffnung").
Dabei setzt der Stiftungs-Gründer verstärkt auf die Verwirklichung
des Rechts auf Bildung als Basis einer individuellen, aber auch gesellschaftlichen
Entwicklung in einer der ärmsten Regionen Guatemalas. Seit drei Jahren
unterhält die Stiftung "Neue Hoffnung" nun eine eigene
Sekundarschule mit rund hundert Kindern und vergibt Stipendien an bürgerkriegsgeschädigte
oder extrem arme Schüler.
Neben ihrer Muttersprache Maya-Achi werden die Kinder auch in der Amtssprache
Spanisch unterrichtet, während überlieferte Maya-Bräuche
ebenso auf dem Stundenplan stehen wie etwa Landwirtschaft oder Informatik.
Bereits nächstes Jahr soll die "Stiftungs-Schule" um weitere
Ausbildungsplätze aufgestockt werden - nicht zuletzt auch mit Spendengeldern
der Münsterer Hauptschule, die bereits seit rund fünf Jahren
einen Teilerlös des großen Weihnachtsbasars über das Landshuter
"Elote-Hilfsprojekt" nach Rio Negro überweist.
Einen spanischen Willkommensgruß entboten dem "Stiftungs-Gründer"
Felipe Stadlberger (Malching/aufgewachsen in Argentinien) sowie Schulsprecherin
Darja Breit (Kößlarn). Über aktuelle Ereignisse des Münsterer
Schullebens informierten Tanja Brenzinger und Kathrin Eckl das Hauptschul-"Patenkind"
Edgar in Briefform, während auch AOK-Beraterin Josefine Stirner herzliche
Grüße an ihr "Paten-Mädchen" Maria Maddalena
in Rio Negro bestellen ließ.

Aus dem Eichstätter Kurier vom 9.03.2005:
Deutsche Uni-Theorie wird
in Guatemala Praxis
Eichstätter Studenten helfen über den von ihnen gegründeten
Verein "Elote" Menschen in Mittelamerika
von Andrea Franzetti
Eichstätt (ztt) Das ganze Dorf wurde einfach zwangsumgesiedelt, die
Bewohner trieb man mit Gewalt aus ihren Holzhütten. Heute ist ein
großer Staudamm dort, wo sie einst friedlich lebten und ihre Felder
hatten. Das "neue" Dorf Rio Negro im Inneren Guatemalas hat
nur wenig mit der einstigen Idylle gemeinsam, die Dorfgemeinschaft ist
zerstört, die Boden sind unfruchtbar. Über die Auswirkungen
des Staudammprojektes auf die indigene Bevölkerung hat Alexander
Fischer seine Diplomarbeit geschrieben. Schon mehrfach war er in dem mittelamerikanischen
Land vor Ort, zum ersten Mal im Rahmen eines Praktikums. Heute vermittelt
er selber Praktikumsplätze und leitet ehrenamtlich den Verein "Elote".
2003 an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt von
Studenten gegründet, unterstützt die Gruppe mehrere Projekte
und organisiert Veranstaltungen.
Schon dreimal kochten Studenten im Studihaus exotische
Speisen, mit schwarzen Bohnen, Maiskolben und scharfen Gewürzen,
eben landestypische Kost aus Guatemala. Durch die Verkaufseinnahmen und
durch Spenden konnten Obstbäume für die Fundación Nueva
Esperanza (Stiftung Neue Hoffnung) gekauft werden.
Mit ihrem Engagement meinen es die Studenten durchaus ernst. Mehrere der
gut 30 Mitglieder kennen die Situation in Guatemala aus eigener Erfahrung.
Alexander absolvierte im Rahmen seines Studiums zuerst ein "Praxissemester"
bei einem Straßenkinderprojekt. In einem Armenviertel unterrichtete
er Problemkinder, und bekam erste Einblicke in die allgemeine Situation
vor Ort. In Abstimmung mit seinem Professor in Eichstätt unterstützte
er später eine Menschenrechtsorganisation, die in einer vom Bürgerkrieg
stark betroffenen Gemeinde aktiv ist. Alexander musste hier beim Ausheben
von Massengräbern helfen. Die bleibenden Erlebnisse seines Aufenthaltes
mündeten schließlich in der Gründung des Vereins "Elote".
An der Uni fand er Mitstreiter, die teilweise schon in
Guatemala aktiv waren, so wie Birgit Schnack aus Hamburg. Mehrere Monate
war sie in Quetzaltenango, der zweitgrößten Stadt, an der Deutschen
Schule tätig, um Deutsch und Englisch zu unterrichten. Und auch in
einer Kaffeeplantage mitten in den Bergen half sie aus. Zeitweise waren
vier Vereinsmitglieder gleichzeitig in Guatemala, um in einer von vier
Partnerorganisationen zu arbeiten.
Im Vordergrund steht für den deutschen Verein dabei
immer die Hilfe zur Selbsthilfe. Es werden keine eigenen Projekte initiiert,
sondern in Absprache mit den Partnern vor Ort, die die Lage viel besser
kennen, ausgesucht. Mit den Partnern steht Alexander regelmäßig
in Kontakt, schreibt E-Mails oder telefoniert hin und wieder mit ihnen.
Bisher konnten schon mehrere Hundert € überwiesen werden. Im
Februar 2005 fliegen wieder zwei Studenten aus Eichstätt nach Guatemala,
um da zu helfen, wo Hilfe gebraucht wird.
Informationen über den Verein gibt es unter (08
71) 2 76 80 80 oder im Internet unter www.elote.de.
Aus der Landshuter Zeitung vom 04. 03.2005:
Vergessenes Guatemala
Verein Elote will Projekte in dem Nachkriegsland unterstützen
"Katastophenregionen erhalten solange Spenden aus
aller Welt, bis die Kameras von dort abziehen", sagt Alexander Fischer.
Er will deshalb mit seinem Verein Elote ein Land unterstützten, das
lange schon nicht mehr in den Schlagzeilen ist, in dem aber während
der 80er Jahre bürgerkriegsähnliche Zustände herrschten:
Guatemala. Er selbst hat dort an Projekten zum Aufbau der gesellschaftlichen
Strukturen mitgearbeitet.
Deshalb kenne er auch die Projektleiter, die Situation vor Ort. Viele
Dritte-Welt-Länder hätten ähnliche Probleme, eine ähnliche
Vergangenheit, gibt Fischer zu. "Doch durch unsere Aufenthalte in
Guatemala wissen wir, wo Geld am dringsten gebraucht wird." Er und
Monika Krenner, Gründungsmitglieder von Elote und beide Sozialpädagogen,
haben innerhalb ihres Studiums mehrere Monate in dem krisengeschüttelten
Land verbracht und bei verschiedenen Projekten mitgearbeitet.
Der Verein will Projekte, die von den Bewohnern selbst geleitet werden,
finanziell unterstützen. Elote hat laut Fischer quasi keine Verwaltungskosten
und kann deshalb alles Geld direkt in die Hände der Verantwortlichen
in Guatemala geben. So hätten die Mitglieder seit der Gründung
des Vereins im Juli 2003 Geld gesammelt, das unter anderem dem Projekt
Edelac zugute kam. Dieses Projekt hat eine Schule aufgebaut, die Kinder
kostenlos unterrichtet, die sonst den ganzen Tag auf der Straße
verbringen würden, um Geld zu verdienen, und erst abend wieder nach
Hause kommen. Monika Krenner beispielsweise war dabei, als eine Klasse
medizinisch untersucht wurde. "Die Kinder hatten reihenweise Untergewicht
und Vitaminmangel", sagt sie. Zu Hause wurde dann beispielsweise
Geld für dafür gesammelt, um Bäume im Garten der Schule
anzupflanzen oder auch um Schulmaterial für die Kinder zu besorgen.
In Guatemala gehe es nicht um akute Krisenbewältigung wie zum Beispiel
derzeit in Südostasien. In Guatemala sei man am langfristigen Wiederaufbau
dran. "Und Bildung ist einfach die absolute Basis", sagt Monika
Krenner. Die meisten Projekte - darunter auch "Edelac" - gibt
es schon mehrere Jahre. Dennoch sind die Strukturen immer noch nicht so
weit gewachsen, dass Hilfe von außen erlässlich ist. "Es
dauert über Generationen, bis sich ein Land wieder völlig selbst
verwalten kann", sagt Fischer.
Bei großen Entwicklungsprojekten bestehe die Gefahr, dass man es
bei der Soforthilfe belässt. Fischer: "Das plätschert dann
so vor sich hin, langfristig führt das aber zu nichts." Die
Aufmerksamkeit der Medien sei von Guatemala gewichen; deshalb kämen
auch keine Spenden mehr herein: "Man hat einfach vergessen, dass
das Land noch immer Unterstützung braucht", sagt er.
An den Schulen in Guatemala würde derzeit eine erste Generation dazu
erzogen, Strukturen sukzessive wieder aufzubauen. Kinder aus schlichten,
ländlichen Verhältnissen sollten bei Edelac zum Beispiel zu
Lehrern ausgebildet werden, um dann in ihrem Heimatdorf eine neue Schule
aufzubauen. Das sei das langfristige Ziel. Berufliche Möglichkeiten
für die Absolventen sieht Fischer auch im Tourismus und in der Landwirtschaft.
Die Führung der Schule im Speziellen und vieler anderer Projekte
generell wird von Einheimischen übernommen. "Sie haben das Wissen,
nur oft nicht die finanziellen Mittel zur Verwirklichung der Ideen",
sagt Fischer.
Deshalb will der Verein künftig - zusammen mit anderen Landshuter
Hilfsorganisationen - die Menschen mit Vorträgen und Videovorführungen
informieren und für die Probleme der guatemaltekischen Bevölkerung
sensibilisieren. Ein erster Vortrag mit Diashow und Fotoausstellung ist
am 10. März ab 20 Uhr im "kleinen Theater". Dabei spricht
der Guatemalteke Jesus Tecu Osorio über die Nachkommen der Mayas,
diejenige Bevölkerungsschicht, die am Rande der Gesellschaft lebt,
und über deren Zukunft. -so-
|